Schirmherr

Grußwort des Oberbürgermeisters der Wissenschaftsstadt Darmstadt Jochen Partsch zum Christopher Street Day Darmstadt 2019

In diesem Jahr steht der CSD im Zeichen des 50. Jahrestags der Stonewall Riots rund um die Bar Stonewall Inn in der Christopher Street in New York. Die Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969 war ein historischer Wendepunkt in der Geschichte der LGBTQ*-Community. An diesem Tag begannen die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Identität diskriminierten und verfolgten Menschen, gemeinsam aufzustehen und für die Anerkennung ihrer eigentlich selbstverständlichen Rechte zu kämpfen.

An diesen Tagen vor 50 Jahren begann die moderne Lesben- und Schwulenbewegung. Lesben, Schwule, Bisexuelle und trans* Menschen kämpften aktiv und zusammen für eine Gesellschaft, die Vielfalt als Bereicherung sieht und Raum für viele verschiedene Lebensentwürfe lässt. Damals haben sie sich entschieden, miteinander solidarisch zu sein, sich stets gemeinsam gegen jede Diskriminierung und Abwertung zu wehren, egal wen es trifft und betrifft.

In den vergangenen 50 Jahren hat die LGBTQ*-Bewegung mit ihrem Widerstand und ihrem vielfältigen, ideenreichen, cleveren und kreativen Engagement viel erreicht, zumal in Deutschland. Seitdem die Betroffenen gemeinsam und mit Freund*innen und Unterstützer*innen auch in Deutschland für ihre Rechte und die eigene Würde eintreten, ist es gelungen, queere Demos und Feste zum gewohnten Bild in Deutschland zu machen, den unseligen, menschenverachtenden Paragraphen 175 StGB abzuschaffen, die Transition von trans*Menschen zu legalisieren, die gleichgeschlechtliche Ehe zu ermöglichen und weitgehend gleichzustellen sowie eine Entschädigung der Menschen zu erstreiten, die Opfer des § 175 geworden sind.

Diese Erfolgsbilanz der Lesben- und Schwulenbewegung hat auch Darmstadt zum Positiven verändert. Gemeinsam mit vielbunt haben wir ein queeres Zentrum errichtet und den LGBTQ*-Menschen damit den notwendigen und ihnen zustehenden geschützten Raum gegeben, an dem sie Hilfe, Orientierung und Unterstützung bekommen.

Aber noch sind wir nicht am Ziel, noch liegt ein weiter Weg zur völligen rechtlichen Gleichstellung und zur realen Chancengleichheit vor uns. Noch immer kommen aus Teilen der Bevölkerung Unverständnis, Abwertungen, Diskriminierung und Ausgrenzung. Noch immer gibt es homophobe und transphobe Menschen. Leider sind sie auch wieder stärker zu hören, trauen sie sich, ihre menschenverachtenden Ansichten öffentlich zu vertreten.

Deshalb ist es sehr wichtig und hat es meine feste und aktive persönliche Unterstützung, immer wieder engagiert und unmissverständlich die Gleichstellung aller Menschen egal welcher sexuellen Orientierung oder Identität zu fordern und gemeinsam alles Notwendige zu unternehmen, um diesem großen und vor 50 Jahren noch schier unerreichbar erscheinenden Ziel wieder ein gutes Stück näher kommen zu können.

Die im Jahresverlauf zweifellos bedeutendste Veranstaltung ist der CSD, der in Darmstadt dieses Jahr am Samstag, dem 17. August stattfinden wird. An diesem Tag haben wir Gelegenheit, alle gemeinsam zu zeigen, dass wir eine Gesellschaft ohne Diskriminierung und Ausgrenzung wollen. Dass wir nicht bereit sind, weiterhin Abwertungen oder menschenfeindliche Haltungen und Handlungen zu tolerieren oder gar zu akzeptieren. Wer sich gegen LGBTQ*-Menschen richtet, der richtet sich gegen uns alle.

Dem Organisationsteam des CSD Darmstadt danke ich herzlich für seine gute Arbeit und das hohe Engagement, das die Aktiven nicht nur bei der Vorbereitung des Christopher Street Days, sondern das ganze Jahr über zeigen. Herzlichen Dank für Ihr Engagement für ein tolerantes Zusammenleben in unserer weltoffenen Stadt!

Möge der CSD 2019 wieder zugleich eine politische Demonstration, ein klares Statement der Freiheit und der Toleranz, eine wunderbare Veranstaltung gleichgesinnter liberaler und weltoffener Menschen, und eine tolle und vielfältige Feier werden, zu der natürlich wie immer die gesamte Bevölkerung unserer Stadt eingeladen ist.

Zollen wir jenen Menschen Respekt, die sich seit mindestens 50 Jahren für Gleichberechtigung, Toleranz, Freiheit und Demokratie einsetzen, und lassen Sie uns gemeinsam feiern!

Ihr
Jochen Partsch
Oberbürgermeister