Schirmherr

Grußwort vom Schirmherr des CSD, Oberbürgermeister Jochen Partsch:

„Man ist nicht als Frau geboren, man wird es“, so formulierte es schon die kluge Simone de Beauvoir in den 1960er Jahren. Für die Ikone der Frauenbewegung waren die Erfahrungen von männlicher Herrschaft, die Reduzierung auf ein bloßes Objekt und das nicht-selbstbestimmte Leben der Frauen, Anlass genug, grundlegende Veränderungen der gesellschaftspolitischen Rahmenbedingen für alle  einzufordern. Bis heute sind diese Forderungen wegweisend – und bei weitem nicht alle erfüllt.

Ähnliches gilt es längst für trans*Menschen klar zu stellen und zu etablieren. Anstatt sich Wege aus der Stigmatisierung zu erkämpfen, muss es für alle Menschen selbstverständlich sein, ein selbstbestimmtes Leben zu führen – und zwar von Geburt an. Bei Lichte betrachtet geht es dabei um nicht weniger, als den verfassungsrechtlichen Grundsatz der Menschenwürde einzulösen und auch auf die Menschen anzuwenden, die nicht in die üblichen Schubladen passen, die unsere Gesellschaft bislang bereithält.

Es ist das Verdienst des Darmstädter CSD, sich immer wieder politisch ebenso aktueller wie auch brisanter Themen anzunehmen und sie in dieser Stadt zum Thema für alle zu machen. Sie unterziehen dabei immer wieder gerne die viel zitierte gesellschaftliche Toleranz einem Lackmustest. Nicht immer geht er gut aus.

Auch deshalb ist es wichtig und hat meine persönliche Unterstützung, wenn aus diesem Anlass  schwierig zu vermittelnde Themen in die Mitte unserer Stadt-Gesellschaft getragen werden. Gerade wenn wir sehen, wie grausam und intolerant unsere aufgeklärte Gesellschaft bis heute mit trans*Menschen umgeht. Natürlich gehen die Forderungen des diesjährigen CSD weit über die lokale Ebene hinaus und müssen auch in den Bundesgesetzen stärker verankert werden und doch gehört es genau hier hin, mitten hinein ins Herz der Zivilgesellschaft, in die Kommune. Denn frei nach Simone de Beauvoir können wir sagen: Man ist nicht als Mensch geboren, man wird es – und Menschlichkeit, Nächstenliebe und Toleranz müssen, wie wir gerade aktuell auch bei anderen Themen erleben, immer wieder neu eingeübt werden.

Ich danke allen Organisatorinnen und Organisatoren des CSD-Darmstadt für ihre Arbeit und ihr hohes Engagement, nicht nur bei der Vorbereitung des Christopher Street Days, sondern auch das ganze Jahr, setzen sie sich für ein tolerantes Zusammenleben in unserer weltoffenen Stadt ein. Das können wir gar nicht hoch genug wertschätzen. Gerne übernehme ich auch in diesem Jahr wieder die Schirmherrschaft.

Uns allen wünsche ich eine tolle und bunte Feier, zu der – wie immer – die gesamte Bevölkerung unserer Stadt eingeladen ist.

Ihr
Jochen Partsch
Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt