Grußwort unseres Schirmherrn Jochen Partsch

„Ich habe immer noch nichts gegen die, aber… Fuck you!“ Dieses Jahr ist das Motto des CSD zu Recht kämpferisch. Es zeugt von großem Mut und dem festen Willen, sich gegen alle Widerstände zu behaupten, aber auch vom Ärger darüber, dass es immer noch Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und der geschlechtlichen Identität gibt.

In den vergangenen Monaten haben wir erfahren müssen, dass das weiterhin selbst in Darmstadt so ist, obwohl wir in unserer freiheitlichen und weltoffenen Stadt eigentlich die Hoffnung hatten, dass Akzeptanz und Toleranz hier stärker sind als in anderen Teilen unseres Landes. Nun wissen wir, dass wir hier zu optimistisch waren, weshalb es wichtiger denn je ist, gemeinsam selbstbewusst in die städtische Öffentlichkeit, auf die Plätze und Straßen zu gehen, um die bunte Flagge der Vielfalt, die Regenbogenfahne der LGBTI*Q unübersehbar zu machen und all jenen, die meinen LGBTI*Q-Menschen diskriminieren oder angreifen zu müssen, ein entschlossenes Signal des Zusammenstehens und des gemeinsamen Widerstandes zukommen zu lassen.

Jochen Partsch

Mut macht, dass es durchaus auch gesetzliche Fortschritte gibt, beispielsweise bezüglich der Selbstbestimmung hinsichtlich der eigenen geschlechtlichen Identität. Aber es bleibt noch immer viel zu tun. Der gesetzliche Schutz gegen Diskriminierung muss verbessert, die Strafverfolgungs- und Ordnungsbehörden müssen stärker sensibilisiert werden. Die konsequente und schnelle Ahndung von Straftaten muss möglichst bald verwirklicht, Opferschutz und Aufklärung müssen weiter verstärkt werden. Gut, dass die LGBTI*Q-Community dabei spürbare Unterstützung aus der Stadtgesellschaft erfährt, was wir alljährlich am Tag des CSD in Darmstadt besonders deutlich sehen können. Kundgebung, Demoparade und Straßenfest sind auch eine willkommene Möglichkeit, die eigene Unterstützung der LGBTI*Q in unserer Stadt und darüber hinaus öffentlich zu zeigen und gemeinsam deutlich zu machen, dass wir zusammen zu stehen.

Dem Organisationsteam des CSD Darmstadt um Christian März, Tobias Kraus und Christopher Januschkowetz aus dem vielbunt e.V. danke ich sehr herzlich für seine gute Arbeit und das große Engagement, das die Aktiven nicht nur bei der Vorbereitung des Christopher Street Days, sondern das ganze Jahr über zeigen. Herzlichen Dank für Ihren mutigen und vorbildlichen Einsatz für ein tolerantes Zusammenleben in unserer weltoffenen Stadt!

Möge der CSD 2022 auch in diesem Jahr zugleich politische Demonstration, klares Statement zu Freiheit und Toleranz und eine fröhliche, ausgelassene und vielfältige Feier werden, zu der wie immer die gesamte Bevölkerung unserer Stadt eingeladen ist.

Jochen Partsch
Oberbürgermeister der Wissensschaftsstadt Darmstadt