Motto

CSD-Kundgebung: Rede von Heidi Schweitzer

Während der dritten Rede unserer CSD-Kundgebung sprach Heidi Schweitzer. Diese Rede fokussierte sich auf die Vielfalt innerhalb der lesbischen Community und die Notwendigkeit, trans, inter und non-binäre Menschen einzubeziehen. Sie forderte ein modernes Selbstbestimmungsgesetz und hob die besonderen Herausforderungen für lesbische Rainbow Refugees hervor. Der Aufruf zur Solidarität und zur Schaffung sicherer Strukturen rundete die Rede ab. Die volle Rede gibt es nun auf csd-darmstadt.de zu lesen. (Foto: Falk Fleischer)

Triggerwarnung vorab: in dieser Rede werden trans- und queerfeindliche Zitate reproduziert, die nicht von der Redner*in stammen.

Liebe Menschen,

Vielfalt verpflichtet ist das Motto des diesjährigen CSD in Darmstadt.

Lesbische Sichtbarkeit*en sind ebenfalls sehr vielfältig, das konnten wir nicht zuletzt in unseren vielen vielbunten Ladies-Night Talks, die wir in den letzten Jahren organisierten, erfahren.

Die Online-Talks und Live-Treffen waren und sind ein Raum zum Dialog für lesbische, bi und pansexuelle, queere, nicht-binäre, trans und agender Personen, die sich im weiblichen bzw. lesbischen Spektrum wiederfinden. Wir schafften hier ein sensibilisierten Austausch zu den unterschiedlichsten Thematiken im Bereich der lesbischen Sichtbarkeit*en. Wir hörten und hören viele Probleme und erlebte Diskriminierungen von Freund*innen – u.a. das Absprechen der eigenen sexuellen und geschlechtlichen Identität

– manche Menschen meinen “richtige Lesben” müssen als “echte Frauen” geboren sein – dieses und noch viel mehr findet statt und das im Jahr 2023!

Vielfalt verpflichtet bedeutet für uns auch die vielfältigen lesbischen Sichtbarkeit*en anzuerkennen und deren unterschiedliche Interessen ernstzunehmen und zu unterstützen hier in Darmstadt und überall!

Lesbische Sichtbarkeit bedeutet, dass lesbische Menschen ihre Identität offen leben und ihre Beziehungen in der Öffentlichkeit zeigen können, ohne diskriminiert oder verurteilt zu werden. Dieser Schritt hin zu mehr Sichtbarkeit*en wurde durch jahrzehntelange Kämpfe und den Einsatz von queeren Aktivist*innen ermöglicht.

Heutzutage sind lesbische Sichtbarkeit*en zwar in Medien, Politik und Gesellschaft und auch in Darmstadt präsenter, was zu einer größeren Akzeptanz und einer positiven Wahrnehmung beiträgt.

Allerdings darf dabei nicht übersehen werden, dass in diesem Fortschritt auch einige Schattenseiten existieren:

Insbesondere transfeindliche Tendenzen innerhalb der lesbischen Gemeinschaft können die lesbischen Sichtbarkeit*en einschränken und eine Spaltung verursachen.

Das verurteilen wir und stellen uns ganz klar an die Seite unser trans- inter und nonbinären Freund*innen!

Und ihr Alle – solltet Euch für die Belange von trans, inter und non-binärer Menschen einsetzen und somit ein klares Zeichen für Solidarität und Zusammenhalt setzen.

Lesbische Sichtbarkeit*en sind vielfältig und benötigen eine gesellschaftliche Teilhabe und keine Ausgrenzung!

Eine der wichtigsten Punkte zur Unterstützung der vielfältigen lesbischen Sichtbarkeit*en ist die geschlechtliche Selbstbestimmung und die damit verbundene Abschaffung des sogenannten „Transsexuellen-Gesetzes“ im Sinne der Selbstbestimmung von trans-, inter und non-binären Personen.

Wir meinen: Es wird allerhöchste Zeit für ein angepasstes, modernes und nicht diskriminierendes Selbstbestimmungsgesetz!

Eine weiteres dringendes Anliegen für Solidarität und Empowerment sind die Sichtbarkeit*en von lesbischen Rainbow Refugees. Queere Geflüchtete, darunter lesbische Personen, stehen oft vor besonderen Herausforderungen und Diskriminierungen, die sie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität zusätzlich angreifbar machen. Sie sind einem erhöhten Risiko von Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt, sei es in Unterkünften oder im öffentlichen Raum.

Daher ist es sehr wichtig, ihre Sichtbarkeit*en zu erhöhen und sie zu stärken, um ihre Rechte zu schützen und ihre Integration hier zu fördern. Die Sichtbarkeit hilft auch auf diese Probleme aufmerksam zu machen und Schutzmechanismen zu entwickeln, um sie u.a. vor weiterer Gewalt zu schützen.

Sichtbare lesbische Rolemodels sowie Gruppen können queeren Geflüchteten helfen, sich selbstbewusster zu fühlen und sich in einer neuen Umgebung besser zurechtzufinden.

Sichtbarkeit schafft Sicherheit für alle queeren Menschen, insbesondere für bisher unsichtbare queere Menschen.

Es bleibt noch viel zu tun, um eine vollständige Gleichstellung und Akzeptanz zu erreichen. Die sehr wichtige Arbeit von uns vielfältigen, ehrenamtlichen Aktivist*innen und allen Organisationen und Vereinen hier in Darmstadt und überall bleibt daher von entscheidender Bedeutung, um die Sichtbarkeit*en und die Rechte von lesbischen Menschen weiter zu stärken und eine Gesellschaft zu schaffen, in der alle Menschen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung, respektiert und anerkannt werden.

Die Förderung der Sichtbarkeiten von lesbischen Menschen und von allen queeren Menschen sollte eine große Einladung zur Zusammenarbeit sein.

Es kann aber nicht nur die Arbeit von unbezahlten, ehrenamtlichen Menschen sein, die sich in ihrer Freizeit dafür engagieren. Es müssen sichere Strukturen in Formen von Hauptamtlichen geschaffen werden mit guter finanzieller Ausstattung, damit wir uns gemeinsam, besser und dauerhaft für die Rechte und Anerkennung aller Mitglieder der queeren Community einsetzen können und eine inklusive und unterstützende Gesellschaft schaffen, in der niemand aufgrund seiner Geschlechtsidentität oder sexuellen Orientierung diskriminiert wird.

Seid solidarisch miteinander und haltet zusammen, denn zusammen sind wir stärker!

Danke!

CSD-Kundgebung: Rede von Beate Leisner

Während der zweiten Rede unserer CSD-Kundgebung sprach Beate Leisner. Die persönliche Geschichte einer späten Selbstfindung und des Outings standen im Mittelpunkt dieser Rede. Sie beschrieb, wie die Offenlegung der eigenen sexuellen Orientierung zu einer tiefgreifenden persönlichen Transformation führte. Beate betonte die Bedeutung von Sichtbarkeit und Akzeptanz in der Gesellschaft. Die volle Rede gibt es nun auf csd-darmstadt.de zu lesen. (Foto: Falk Fleischer)

Vor 10 Jahren stand mein Leben Kopf. Trennung nach knapp 15 Jahren. Stimmverlust – auch die Ausübung meines Berufes stand plötzlich auf der Kippe. Ich durchdachte mein Leben neu. Bisher fühlte ich mich fein – im Hetero dasein – erkannte aber auch schmerzhaft, dass ich mich schon immer, mal in Frauen, mal in Männer verliebte. Ich verheimlichte es – tat so, als ob es gar nicht so wäre. Dann spürte ich, während ich wochenlang nicht sprach und sang – da ist etwas in mir, was aus- und gelebt werden will. Ich wollte damit klar werden und endlich herausfinden, wie weit mein – für mich noch geheimnisvolles Frauenbegehren gehen will.

2013 war mein 1. CSD hier in Darmstadt, damals noch auf dem Riegerplatz. Dort war mein 1. Date mit Heidi – knall, bumm – peng – alles war anders, schön, lebens- und liebenswert. Mit über 40 erlebte ich, was es bedeuten kann, sich nochmal pubertär zu fühlen, im positiven Sinne.

Kurz darauf kam mein offizielles Outing, zunächst bei engen Freund*innen, dann bei der Familie und meinem gesamten Musiker*innen-Umfeld. Schritt für Schritt wurde das Outing ein Befreiungsschlag. 

Ich blühte förmlich auf. Ich dachte nicht, dass das Offenlegen meiner sexuellen Orientierung solch ein Seelen- und Herzensöffner sein wird. So fand ich zurück zu mir, zur Stimme, zum wirklichen Begehren, zur Kreativität, zu meinem purem Selbst – voller Freude und allem mir nie vorher erahnten Möglichkeiten. Mein Leben wurde plötzlich so echt und durch und durch bedingungslos ehrlich und authentisch.

Heidi und ich feiern heute unser 10 Jähriges und wir freuen uns über uns und darüber, dass wir uns in dieser Vielfalt kennen und lieben gelernt haben. Wir freuen uns auf das, was da noch so kommt. 

Wir sind sichtbar – wir können es uns erlauben, ”Lesbische Sichtbarkeiten“ hierzulande – in diesem, noch nahezu sicheren Umfeld, zu leben.

Heute weiß ich: Lesbische Sichtbarkeit ist alles andere als bequem. 10 Jahre mit vielbunt – spüre und merke ich immer mehr, auch bei vielbuntist nicht alles vielbunt.

Unsere queere Community ist vielfältig, wir leben und lieben die Vielfalt, sie ist unser Ziel. Binäre Welten treffen auf Nicht-Binäre Welten. Frauenwelten treffen auf Männerwelten. Transwelten treffen auf Cis-Welten, Lesbenwelten auf Schwulenwelten und vieles mehr.

Ich wünsche uns mehr Austausch untereinander, mehr Interesse aneinander und mehr Offenheit füreinander.

Lasst uns in einen konstruktiven, ehrlichen und offenen Dialog kommen.

Vor 10 Jahren war mein offizielles Outing – 2013 lernte ich hier, auf dem CSD in Darmstadt, meine Frau Heidi kennen und lieben. Damals war mir nicht klar, worauf ich mich da einlasse.

Das zu mir, zu uns stehen – braucht Mut. Lasst uns Menschen Wege aufzeigen, die ihnen helfen können, zu ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität offen stehen zu können. Es sollte für alle Menschen möglich sein – ohne Einschränkung und ohne Gewalterfahrung. Lasst uns offen, ehrlich und kompromisslos bleiben und aufeinander zugehen. Nur gemeinsam können wir das erreichen, was es noch braucht, um Sichtbarkeit zu leben.

Danke, dass ihr alle heute hier seid. Ihr zeigt allen, wie vielfältig, lebens- und liebenswert die 

Menschen und unser Leben ist.

Happy Pride!

CSD-Kundgebung: Rede von Sonja Götz

Während der ersten Rede unserer CSD-Kundgebung sprach Sonja Götz. Die Rede betonte die Bedeutung von Vielfalt und Offenheit in der queeren Community. Sie forderte den gleichen Schutz, Respekt und Achtung für alle und kritisierte die gesellschaftlichen Grenzen, die Vielfalt oft einschränken. Sonja rief auch zu Solidarität und Selbstreflexion innerhalb der Community auf. Die volle Rede gibt es nun auf csd-darmstadt.de zu lesen. (Foto: Falk Fleischer)

Als erstes möchte ich mich bei all den Menschen bedanken, die den CSD heute überhaupt erst möglich gemacht haben. Also vielen Dank an die Orga, die vielen Helfer*innen und alle, die auf ihre Weise etwas beitragen. Damit auch vielen Dank an euch!

Wenn ich mich hier umschaue, sehe ich lauter schöne, bunte, fröhliche Menschen um mich herum. Wie gerne würde ich jetzt einfach sagen “Vielfalt ist schön, habt Spaß und eine gute Zeit, los gehts!”

Aber wir sind nicht bei der Love Parade. Wir gehen heute auf die Straße um zu demonstrieren, damit wir endlich den gleichen Schutz, den gleichen Respekt und die gleiche Achtung erfahren wie der Rest der Gesellschaft!

Das Motto für diesen CSD ist “Vielfalt verpflichtet”, und ich glaube, aus dem Bauch heraus würden die meisten Menschen sagen, Vielfalt ist etwas Gutes. Weil sie mit Wahlmöglichkeiten verbunden wird.

Wenn wir Essen gehen, finden wir es ja auch gut, wenn mehr als “Wasser und Brot” auf der Karte steht.

Doch schon bei einem banalen Beispiel wie Essen merken wir, wie schnell wir an die Grenze dessen kommen, was bei Vielfalt noch geduldet wird.

Man denke nur an die Streitigkeiten zum Thema Fleischessen.

Wenn also solch vergleichsweise harmlose Fragen schon derart heftige Reaktionen auslösen können, was passiert dann erst, wenn es um Vielfalt in der Liebe geht?

Homosexuelle Liebe? Polyamore Beziehungen?

Au weia….

“Schwul!” wird auch heute noch viel zu oft als Schimpfwort gebraucht, mit der Akzeptanz für vielfältige Beziehungsformen sieht es also immer noch schlecht aus.

Und als wäre das nicht schon schlimm genug, kommen dann noch wir Transmenschen und stellen ganz nebenbei auch noch das alte, liebgewonnenen Bild der binären Geschlechtsidentitäten in Frage.

Ob jetzt trans, genderfluid, nicht-binär, allein unsere Existenz zeigt, das Denken in zwei starren Geschlechtern, es funktioniert so nicht mehr.

Da wird bei einigen ganz schön viel durcheinander gewirbelt, Vielfalt kann eben auch anstrengend sein. Sie macht es nötig, dass wir uns immer wieder neu orientieren, uns mit neuen Konzepten, Wertvorstellungen und Lebenswelten auseinandersetzen.

Vielfalt verpflichtet also zu Offenheit.

Wobei uns das doch leicht schwer fallen sollte.

Wir Menschen, mit all unseren Fähigkeiten, Wünschen, Träumen und Vorstellungen sind doch von Natur aus vielfältig, dafür muss man auch gar nicht queer sein.

Zugegeben, gerade in unserer schnelllebigen Zeit kann es echt herausfordernd sein, mit den vielen neuen Entwicklungen Schritt zu halten.

Bei meinem Coming out wusste ich von lesbisch, schwul, bi und trans.

Inzwischen habe ich gelernt, das sind alles nur Oberbegriffe, unter denen sich viele bunte Lebensweisen vereinen.

Bei Schwulen gibt es zum Beispiel die Twinks und die Bären, bei Trans gibt es unter anderem eben auch nicht-binär und genderfluid.

Klingt vielleicht erstmal verwirrend, macht aber nix.

Wichtig ist vor allem, offen zu bleiben für das, was außerhalb unserer eigenen Bubbles passiert.

Vielfalt verpflichtet also auch zur Selbstreflektion

Denn auch queer zu sein bedeutet (leider) nicht automatisch eine offene Haltung der Vielfalt anderer gegenüber.

Das bekommen gerade wir Transmenschen immer wieder zu spüren.

Ich zum Beispiel bin eine bisexuelle Transfrau. Ich bin also Frau, Trans, und im Grunde auch lesbisch, weil ich ja auch auf Frauen stehe.

Doch kann ich mich auch bei den Cisfrauen und Cislesben willkommen fühlen?

Leider nicht immer.

Weil es eben auch in unserer so bunten und vielfältigen Gemeinschaft immer noch viele Gräben und Grenzen gibt, viele davon für uns Transmenschen.

Weil es immer wieder passiert, dass wir als “nicht echt” betrachtet werden, nicht als richtige Frau oder als richtiger Mann. Ein Verhalten, welches traurige Tradition hat. Nur knapp 4 Jahre nach den Stonewall Riots, untersagte die Gay Activist Alliance Transpersonen die Mitgliedschaft. Man erhoffte sich dadurch bessere Chancen für ein Antidiskriminierungsgesetz.

Natürlich gibt es, und das zu betonen ist mir sehr wichtig, auch unheimlich viele offene und tolerante cisfrauen und cismänner in der Community. Ich zum Beispiel habe bisher fast nur positive Begegnungen gehabt. Aber es geht eben nicht um mich, das Problem ist allgemein zu groß, als dass wir es bei einer Veranstaltung wie dem CSD einfach unter den Tisch fallen lassen wollten.

Zum einen, weil es extrem verletzend ist.

Von religiösen Spinnern, Queerdenkern, rechten Parteien und/oder Nazis angefeindet zu werden ist übel. Aber von denen erwarten wir auch nichts anderes.

Aber von Menschen, die genau wissen, wie scheiße es sich anfühlt, aufgrund der eigenen Identität und Sexualität ausgegrenzt zu werden?

Man mag mich jetzt naiv nennen, aber da erwarte ich etwas anderes. Gerade weil die Schwulen- und Lesbenszene selbst doch auch so vielfältig ist, sollte man da nicht auch offen sein für zum Beispiel Transmänner und -frauen?

Vor allem, es gibt ja noch einen weiteren, großen Grund, warum diese innere Spaltung so gefährlich ist.

In der Mehrheitsgesellschaft wächst die Feindseligkeit gegen uns massiv an.

Die AfD erreicht mitlerweile teilweise 20%, in den USA führen die Republikaner einen erbarmungslosen Feldzug gegen alles was queer und vor allem, was trans ist.

Und wir wissen, solche Entwicklungen schwappen gerne irgendwann zu uns rüber.

Können wir es uns angesichts dieser Situation erlauben, kleingeistige Grabenkämpfe zu führen?

Ich sage ganz entschieden, Nein!

Wenn wir diesem Haß von außen ernsthaft etwas entgegensetzen wollen, müssen wir erst einmal im Inneren zusammenstehen. Spalten wir uns auf, gehen wir unter.

Vielfalt verpflichtet also auch zur Solidarität

Ich meine, wie können wir auf die Straße gehen und von der Mehrheitsgesellschaft fordern, dass sie uns akzeptiert, wenn wir uns untereinander nicht akzeptieren?

Wenn unser Ziel wirklich ein friedliches Miteinander ALLER Menschen ist, müssen wir lernen, mit dieser Vielfalt umzugehen. Und ja, das ist eine Herausforderung.

Eine Herausforderung, der wir uns alle stellen müssen, denn wir alle sind Teil der Gesellschaft, die wir ändern wollen. Wenn wir uns der Vielfalt verpflichten, werden wir daran wachsen, das wird unsere Gemeinschaft stärken und damit unsere Wirkung auf den Rest der Gesellschafft.

Und wir können uns stellen.

Ich meine, offen und solidarisch zu sein heißt ja nicht, alles auch übernehmen zu müssen.

Man muss nicht schwul oder lesbisch sein, um Schwule und Lesben zu unterstützen, genauso wie man nicht trans sein muss, um sich mit Transpersonen zu solidarisieren.

Und, Spoileralert, man wird auch nicht schwul, lesbisch und oder trans dabei.

Ja, Vielfalt verpflichtet auch zu Kompromissen.

Und wer sich jetzt immer noch fragt, warum soll ich mir das alles antun?

Ganz einfach: Weil Vielfalt schön ist. Weil sie das Leben reicher, bunter, lebenswerter machen kann.

Weil die Alternative wäre, dass wir uns wieder verstecken müssen. Dass wir uns wieder verleugnen müssen. Und das haben wir alle viel zu lange getan.

So sehr wir uns auch in einigen Punkten unterscheiden mögen, in den wichtigen Punkten sind wir doch gleich:

Wir sind alle Menschen, die einfach nur frei und in Würde leben und lieben wollen.

Ich finde, diese Ziele sind es wert, sich der Vielfalt zu verpflichten, oder?

Ich danke euch und wünsche euch einen wundervollen CSD!

Vorschau auf unser politisches Programm:

Wir sind dieses Jahr sehr stolz auf unser politisches Programm! Es wird wie immer vielfältig, kämpferisch und politisch auf dem Karolinenplatz:

12 Uhr – Kundgebung vor der Demonstration

Im Rahmen der Kundgebung werden wir nach einem Grußwort unseres Oberbürgermeisters Hanno Benz drei Reden hören. Die erste hat den Fokus lesbische Sichtbarkeit, die zweite geht auf die Lage von trans* Personen ein, die dritte ist allgemein zum Thema LSBT*IQA+.

15 Uhr – Eröffnung des CSD-Festes

Nach der bunten Demonstration geht es weiter mit einem Grußwort unseres Schirmherrn Kai Klose, Hessischer Minister für Soziales und Integration, sowie einer Rede der Leitung des Christopher Street Days.

15:30 Uhr – Podiumsdiskussion

Im kommenden Herbst wird unser Landtag in Hessen neu gewählt. Aus diesem Anlass haben wir Politiker*innen der im Landtag vertretenen demokratischen Parteien (CDU, Grüne, SPD, FDP und Linke) eingeladen. Wir werden kritisch schauen, was ihre politischen Programme und Forderungen für queere Menschen bereithalten.

Jederzeit – Unser Forderungstext auf csd-darmstadt.de

Wir stehen ganzjährig für unsere Forderungen und Positionen ein. Auf unserer Website könnt ihr nachlesen, weshalb wir möchten: wer mit unserer Regenbogenflagge wirbt, muss auch für unsere Werte einstehen!

Das Motto 2023: Vielfalt verpflichtet!

Seit Jahrzehnten gehen queere Aktivist*innen auf die Straße. Sie demonstrieren für ein selbstbestimmtes und freies Leben. Sich der eigenen sexuellen oder geschlechtlichen Identität bewusst zu werden und mit Stolz zu sich zu stehen, ist oft nicht leicht. Wer früher diesen Schritt wagte, musste mit Repressionen rechnen und lebte mitunter gefährlich. 
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CSD Darmstadt 2023: Vielfalt verpflichtet!

Die Motto der vergangenen CSD Darmstadt findest du hier >

Seit Jahrzehnten gehen queere Aktivist*innen auf die Straße. Sie demonstrieren für ein selbstbestimmtes und freies Leben. Sich der eigenen sexuellen oder geschlechtlichen Identität bewusst zu werden und mit Stolz zu sich zu stehen, ist oft nicht leicht. Wer früher diesen Schritt wagte, musste mit Repressionen rechnen und lebte mitunter gefährlich. 

Vieles ist besser, aber nicht alles ist gut

Der Stonewall-Aufstand von 1969 markiert einen Wendepunkt im Kampf um Gleichberechtigung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans* und intergeschlechtlichen Menschen. Vieles hat sich verbessert, aber es kommt in Deutschland wieder vermehrt zu queerfeindlichen Angriffen – in Frankfurt, in Darmstadt: an Orten, die wir kennen und in denen wir leben. trans* Personen sind  besonders häufig betroffen. 

Gewalttaten gegen queere Menschen zeigen, dass Akzeptanz und Vielfalt immer wieder aufs Neue erstritten werden müssen. Sie mahnen uns, lautstark zu bleiben, denn unsere Gesellschaft kann erst dann offen und frei sein, wenn alle Menschen in ihr angstfrei und selbstbestimmt in Vielfalt miteinander leben. 

Stonewall was a riot

Als Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans* und intergeschlechtliche Menschen stehen wir in der Tradition von Stonewall. Wir demonstrieren, weil wir trotz aller gesellschaftlicher Fortschritte immer noch zu oft marginalisiert werden. 

In einer Zeit, in der rechtsextreme und populistische Parteien und Bewegungen immer mehr Zuspruch finden, muss der queere Widerstand fortgesetzt und Zusammenhalt und Solidarität in unserer Community gestärkt werden. Es braucht unser Engagement, um Aufklärung und Bildung zu queeren Lebensweisen voranzutreiben. Es braucht unsere Stimmen! Wir dürfen nicht zulassen, dass man uns zentrale Rechte vorenthält. 

Vielfalt verpflichtet!

Wir haben in den letzten Jahren gezeigt, dass wir zusammen viel erreichen können. Nach wie vor gibt es aber Hindernisse, die wir am besten gemeinsam und solidarisch überwinden. Wir brauchen keine Symbolpolitik! Wenn sich politisch Verantwortliche, Unternehmen und zivilgesellschaftliche Organisationen mit dem Regenbogen und der Pride Fahne schmücken, ist es unsere Aufgabe, sie daran zu messen. Vielfalt verpflichtet! 

Unsere Symbole sind keine Accessoires, mit denen man sich schmückt, wenn der Pride Month ansteht. Sie sind Symbole einer emanzipatorischen Bewegung, die bis heute notwendig ist. Sie alleine verändern aber keine Gesellschaft. Um Homo-, Bi-, Trans- und Interfeindlichkeit zu bekämpfen und queere Rechte zu stärken, braucht es konkrete Maßnahmen. 

Unsere Forderungen:

Im Jahr der Landtagswahl in Hessen fordern wir die politisch Verantwortlichen auf, unsere Community vor Ort zu stärken.

  • Es ist notwendig, dass queere Bedürfnisse noch stärker in die politischen Prozesse einfließen und Regenbogenkompetenzen strukturell gefördert werden. Es reicht nicht aus, nur am CSD mit uns auf die Straße zu gehen. 
  • Wir fordern die demokratischen Parteien auf, sichere Räume und Unterstützungsangebote für queere Menschen in Stadt und Land zu schaffen und die bestehenden Angebote zu verstetigen und auszubauen.
  • Die aktive Förderung von Akzeptanz und Vielfalt innerhalb wie außerhalb der Community muss gesamtgesellschaftlich vorangetrieben werden, um eine geteilte Vorstellung von Selbstbestimmung zu schaffen.
  • Wir brauchen ein modernes Selbstbestimmungsgesetz, das sich an den Lebenswirklichkeiten von Trans*, Inter* und nicht-binären Menschen orientiert.
  • Wir fordern die konsequente Verfolgung und Dokumentation von Gewalttaten gegen queere Menschen. Nur so können sie sichtbar gemacht und nicht länger ignoriert werden.
  • Menschen, die vor Krieg und Repressionen fliehen und bei uns Schutz suchen, verdienen unsere Solidarität. Es ist deshalb notwendig, sichere Unterbringungen für queere Asylsuchende zu schaffen und damit ihre Schutzbedürfnisse anzuerkennen. Auch in Darmstadt brauchen wir ein Safehouse nach dem Vorbild von Frankfurt.

Vielfalt zu repräsentieren gelingt dann, wenn eine Kultur gelebt wird, die Diversität wertschätzt – das gilt für Unternehmen, Bildungseinrichtungen, die Zivilgesellschaft, politisch Handelnde und unsere eigene Community. 

Vielfalt verpflichtet – deshalb gehen wir gemeinsam auf die Straße!

Motto CSD 2022

Ich hab immer noch nix gegen die, aber… FUCK YOU!

Vor acht Jahren sind wir mit dem Motto “Ich hab nichts gegen die, aber…” auf die Straße gegangen und haben gezeigt, dass Diskriminierung und Queerfeindlichkeit ein Problem sind. Seitdem haben wir einiges erreicht. Wir müssen aber feststellen, dass queere Menschen immer noch auf vielfältige Arten diskriminiert und angegriffen werden, auf der Straße, in der Schule und in der eigenen Familie. Und oft hat das immer noch keine Konsequenzen.

Diskriminierung hat viele Facetten

Queere Menschen, die beispielsweise lesbisch, schwul, bi, trans*, nicht-binär oder inter sind, erleben im Alltag weiter Diskriminierung und Gewalt. Die Äußerung von hasserfüllten Gedanken ist in Teilen der Bevölkerung weiter gesellschaftsfähig. Besonders im digitalen Raum sind Queerfeindlichkeit und hasserfüllte Inhalte weit verbreitet und sorgen für Diskriminierung und Abwertung. Diese Inhalte werden zu selten strafrechtlich verfolgt oder gelöscht. 

Verrohte Sprache führt zu Gewalt im realen Leben

Dass aus Worten auch Taten werden, sehen wir an der besorgniserregend schnell steigenden Zahl von Übergriffen gegenüber unserer Community. Queere Menschen werden aufgrund ihrer Identität verprügelt und Regenbogenflaggen angezündet, wie in diesem Jahr am Rand des CSD Karlsruhe geschehen. Auch in Darmstadt bleibt die queere Community davon nicht verschont – erst jüngst gab es auch hier mehrere queerfeindliche Übergriffe.

Die Dunkelziffer solcher Taten liegt deutlich höher, denn die Hemmschwelle, solche Übergriffe zu melden, ist weiterhin hoch. Entweder, weil eine Ermittlung in vielen Fällen zu keinem befriedigenden Ergebnis führt, oder, weil bereits bei der Erstattung einer Anzeige nicht genug Sensibilität gezeigt wird.

Wir müssen selbst dafür einstehen, dass die Diskriminierung von queeren Menschen auf allen Ebenen abgebaut wird.

Wir müssen auch auf uns selbst schauen

Nach außen können wir dies nur dann stark fordern, wenn wir als queere Community eng beieinander stehen. Es braucht gemeinsame Unterstützung, um queerfeindliche Erfahrungen zu bewältigen. Dazu muss sich die queere Community besser gegenseitig zuhören und miteinander vernetzen.

Für die verschiedenen Formen von Diskriminierung gegen queere Menschen muss ein Bewusstsein geschaffen werden. Diskriminierung kann nur dann entschieden widersprochen werden, wenn sie erkannt wird. Symptome wie Rassismus, Sexismus, Bodyshaming, Bottomshaming oder Trans*feindlichkeit kommen auch innerhalb der queeren Community vor. Dem müssen wir jederzeit und überall entgegentreten! Nur durch diese Art von Zusammenhalt lassen sich Schutzräume innerhalb der queeren Community sichern.

“Ich hab immer noch nix gegen die, aber…”

…ist dieses Jahr unser Motto. Wir greifen damit das Thema von 2014 noch einmal auf, weil es leider immer noch aktuell ist und es immer noch viel zu tun gibt..

Wir fordern:

  • Dass die Gesetzgebung die Grenze zwischen Meinungsfreiheit und Diskriminierung durch eine Anpassung von Artikel 3 des Grundgesetzes klarer gestaltet. Die Koalition muss ihr Versprechen einhalten, explizit den Schutz gegen Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung in den Gleichbehandlungsartikel unserer Verfassung aufzunehmen. Wir fordern, dass dies für einen verbesserten Schutz von trans* und inter* Personen ebenfalls mit der geschlechtlichen Identität geschieht.
  • Eine erhöhte Sensibilisierung von Polizei, Staatsanwaltschaften, Bildungsinstitutionen und anderen Einrichtungen in Bezug auf Queerfeindlichkeit, damit diese angemessen auf Vorfälle reagieren können.
  • Dass auch Hessen queerfeindliche Straftaten gesondert in der Kriminalstatistik ausweist, damit das Ausmaß von Gewalt gegen queere Personen deutlich wird.
  • Opferschutz und Gewaltprävention, beispielsweise in Form von Schulaufklärung und Queer-Beauftragten bei Institutionen.

Unsere Gesellschaft hat Raum für viele Formen des Lebens. Vielfalt ist eine Bereicherung, keine Einschränkung! Wer uns angreift, greift die Vielfalt in unserer Gesellschaft an. Dagegen stehen wir weiter eng zusammen und dagegen kämpfen wir!