Motto

CSD 2022: Ich hab immer noch nix gegen die, aber …

Vor acht Jahren sind wir mit dem Motto “Ich hab nichts gegen die, aber…” auf die Straße gegangen und haben gezeigt, dass Diskriminierung und Queerfeindlichkeit ein Problem sind. Seitdem haben wir einiges erreicht. Wir müssen aber feststellen, dass queere Menschen immer noch auf vielfältige Arten diskriminiert und angegriffen werden, auf der Straße, in der Schule und in der eigenen Familie. Und oft hat das immer noch keine Konsequenzen.

Diskriminierung hat viele Facetten

Queere Menschen, die beispielsweise lesbisch, schwul, bi, trans*, nicht-binär oder inter sind, erleben im Alltag weiter Diskriminierung und Gewalt. Die Äußerung von hasserfüllten Gedanken ist in Teilen der Bevölkerung weiter gesellschaftsfähig. Besonders im digitalen Raum sind Queerfeindlichkeit und hasserfüllte Inhalte weit verbreitet und sorgen für Diskriminierung und Abwertung. Diese Inhalte werden zu selten strafrechtlich verfolgt oder gelöscht. 

Verrohte Sprache führt zu Gewalt im realen Leben

Dass aus Worten auch Taten werden, sehen wir an der besorgniserregend schnell steigenden Zahl von Übergriffen gegenüber unserer Community. Queere Menschen werden aufgrund ihrer Identität verprügelt und Regenbogenflaggen angezündet, wie in diesem Jahr am Rand des CSD Karlsruhe geschehen. Auch in Darmstadt bleibt die queere Community davon nicht verschont – erst jüngst gab es auch hier mehrere queerfeindliche Übergriffe.

Die Dunkelziffer solcher Taten liegt deutlich höher, denn die Hemmschwelle, solche Übergriffe zu melden, ist weiterhin hoch. Entweder, weil eine Ermittlung in vielen Fällen zu keinem befriedigenden Ergebnis führt, oder, weil bereits bei der Erstattung einer Anzeige nicht genug Sensibilität gezeigt wird.

Wir müssen selbst dafür einstehen, dass die Diskriminierung von queeren Menschen auf allen Ebenen abgebaut wird.

Wir müssen auch auf uns selbst schauen

Nach außen können wir dies nur dann stark fordern, wenn wir als queere Community eng beieinander stehen. Es braucht gemeinsame Unterstützung, um queerfeindliche Erfahrungen zu bewältigen. Dazu muss sich die queere Community besser gegenseitig zuhören und miteinander vernetzen.

Für die verschiedenen Formen von Diskriminierung gegen queere Menschen muss ein Bewusstsein geschaffen werden. Diskriminierung kann nur dann entschieden widersprochen werden, wenn sie erkannt wird. Symptome wie Rassismus, Sexismus, Bodyshaming, Bottomshaming oder Trans*feindlichkeit kommen auch innerhalb der queeren Community vor. Dem müssen wir jederzeit und überall entgegentreten! Nur durch diese Art von Zusammenhalt lassen sich Schutzräume innerhalb der queeren Community sichern.

“Ich hab immer noch nix gegen die, aber…”

…ist dieses Jahr unser Motto. Wir greifen damit das Thema von 2014 noch einmal auf, weil es leider immer noch aktuell ist und es immer noch viel zu tun gibt..

Wir fordern:

  • Dass die Gesetzgebung die Grenze zwischen Meinungsfreiheit und Diskriminierung durch eine Anpassung von Artikel 3 des Grundgesetzes klarer gestaltet. Die Koalition muss ihr Versprechen einhalten, explizit den Schutz gegen Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung in den Gleichbehandlungsartikel unserer Verfassung aufzunehmen. Wir fordern, dass dies für einen verbesserten Schutz von trans* und inter* Personen ebenfalls mit der geschlechtlichen Identität geschieht.
  • Eine erhöhte Sensibilisierung von Polizei, Staatsanwaltschaften, Bildungsinstitutionen und anderen Einrichtungen in Bezug auf Queerfeindlichkeit, damit diese angemessen auf Vorfälle reagieren können.
  • Dass auch Hessen queerfeindliche Straftaten gesondert in der Kriminalstatistik ausweist, damit das Ausmaß von Gewalt gegen queere Personen deutlich wird.
  • Opferschutz und Gewaltprävention, beispielsweise in Form von Schulaufklärung und Queer-Beauftragten bei Institutionen.

Unsere Gesellschaft hat Raum für viele Formen des Lebens. Vielfalt ist eine Bereicherung, keine Einschränkung! Wer uns angreift, greift die Vielfalt in unserer Gesellschaft an. Dagegen stehen wir weiter eng zusammen und dagegen kämpfen wir!

CSD 2011: Wir l(i)eben Vielfalt!

Darmstadt soll uns so erleben, wie wir sind: vielfältig und bunt. Wir sind groß und klein, jung und alt, dick und dünn, wir kleiden uns betont auffällig oder sehr schlicht, agieren extrovertiert und laut oder auch zurückhaltend und scheu, aber vor allem: Wir sind da! In unserer Vielfalt unterscheiden wir uns nicht, sondern sind ein Teil der bunten Darmstädter Stadtgesellschaft.

Unser Motto ist außerdem ein generelles Zeichen gegen gruppenbezogene Gewalt und alle Angriffe auf ein friedliches und tolerantes Miteinander. Die Ausgrenzung und Intoleranz gegenüber Menschen mit anderen sexuellen Orientierungen missachtet demokratische Grundsätze und die Würde der Menschen, wie sie das deutsche Grundgesetz schützt. Vielfalt ist ist etwas Positives und Erstrebenswertes, sie zeigt, wie unterschiedlich Leben und Lieben sein kann.

Gleichzeitig steht unser Motto auch für mehr Solidarität innerhalb der Community. Wir sind vielfältig und leben dies auch, ein_e jede_r so, wie es gefällt. Wir sollten nicht ausgrenzen und diskriminieren, sondern einbeziehen, fördern, gemeinsam kämpfen und stark sein.

Das Leben und Lieben dieser Vielfalt innerhalb der Darmstäder Community und mit allen interessierten Darmstädterinnen und Darmstädtern wird in diesem Jahr ausgiebig gefeiert!

Mittelpunkt des CSD-Sommerfests bildet ein buntes und vielseitiges Bühnenprogramm. Livebands, eine politische Podiumsdiskussion, eine Travestieshow und vieles mehr erwarten den Besucher.

Eröffnet wird das Programm um 15 Uhr von unserem Schirmherrn, dem Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt, Jochen Partsch.

CSD 2012: Natürlich anders!

„Unter dem Motto „Natürlich anders!“ feiern wir zusammen mit Homosexuellen, Bisexuellen, trans*Menschen und anderen Vereinen und Organisationen den CSD Darmstadt 2012 auf dem Riegerplatz.

Eines unserer Anliegen ist es, mit dem Fest Information und Aufklärung zu fördern und die Lebenssituation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern zum Thema zu machen. Dies soll an Infoständen verschiedener Organisationen, durch eine Demo-Parade und im Rahmen einer politischen Podiumsdiskussion gelingen.

Wir laden euch deshalb ganz herzlich dazu ein, im Rahmen eines Infostands mit eurer Organisation an diesem Event teilzunehmen und dadurch sichtbar zu machen, welche Konzepte ihr für die Förderung von Toleranz und Aufklärung habt und wie Darmstadt ein guter Ort für Menschen mit anderen Lebensentwürfen und sexuellen Orientierungen sein kann. „

CSD Trailer 2012 (Youtube)

CSD 2013: Mit vollem Recht queer!

Mit vollem Recht queer! Eine Erinnerung. Nun ist es schon fast 2 Monate her und wir möchten nochmal zurückblicken auf den Tag des Jahres für uns und die queere Darmstädter Community. Dieser Tag hat wieder eindrücklich bewiesen: Ja, Darmstadt kann CSD. Und es zeigt sich von Jahr zu Jahr mehr, dass wir es geschafft haben, unseren Christopher Street Day als gar nicht mal mehr so kleine aber nach wie vor sehr feine Veranstaltung im Reigen der anderen regionalen CSDs zu etablieren.

Fest steht: Es war ein CSD mit Gänsehaut-Momenten. Dazu zählt allem voran die in diesem Jahr stark angewachsene Demo-Parade. Der Blick vom vielbunten Führungsfahrzeug auf den City-Ring, der aus einem gigantischen Regenbogenfahnen-Meer bestand und dessen Zugende von Vorne nicht abzusehen war… das war unbeschreiblich. Wenn der Verkehr kurz zum Erliegen kommt, die Autofahrer aber nicht meckernd, sondern fotografieren und filmend aus ihren Autos aussteigen… Gänsehaut. Und noch viel wichtiger: Die Demo-Parade war nicht nur optisch überzeugend und stimmungsvoll, sie war auch politisch. Nicht nur Fahnen wurden geschwenkt, auch zahlreiche sehr originelle Plakate machten auf die Missstände in der Politik aufmerksam und setzten ein starkes Zeichen gegen Diskriminierung sexueller Minderheiten. Neben der Blockadepolitik der deutschen Regierung stand in diesem Jahr vor allem die homofeindliche und menschenverachtende Politik Russlands im Fokus der Plakate.

Ein Höhepunkt war die vielgelobte Kundgebung auf dem Luisenplatz bei der sich unser Vorsitzender Jan Rothermel unter anderem die diskriminierende Politik und populistische Rhetorik der deutschen Regierung vornahm und für eine vollkommene Gleichstellung eintrat. Im Anschluss rief Rosa Opossum in ihrer Rede Politik und Gesellschaft in Anbetracht der entsetzlichen Entwicklungen in Russland zum Handeln auf.

Auch auf dem Riegerplatz blieb es politisch. Neben den vielen Infoständen von Organisationen, Vereinen und Parteien (es waren mehr als je zuvor) und der Bannerausstellung wurden politische Positionen bei einer hochkarätig besetzen Podiumsdiskussion mit Direktkandidat_innen aller fünf Parteien diskutiert und live in Gebärdensprache übersetzt. Auch die mittlerweile etablierte Luftballon-Aktion war in diesem Jahr ein politisches Statement. Mit der angehängten Botschaft „To Russia with Love“ sorgte auch dieser Moment einmal mehr für Gänsehaut. Abgerundet wurde der Tag von einem unterhaltsamen Bühnenprogramm mit einer großen Bandbreite an Livemusik, der kultigen Drag-Queen-Show, schönem Wetter und, und, und. Nach solchen Tagen merkt man, dass Engagement belohnt wird.

Wir danken allen Beteiligten für ihre Hilfe, geleistete Arbeit und investierte Nerven und hoffen auch im nächsten Jahr auf gemeinsame Gänsehaut!

CSD Trailer 2013 (Youtube)

CSD 2014: Ich hab nichts gegen die, aber…

Die Christopher Street Days sind schon lange Teil der LGBT-Bewegung (lesbian, gay, bisexual, trans*), die sich gegen Diskriminierung und für die Rechte von LGBTs einsetzt. In dieser Tradition sieht sich auch der CSD Darmstadt. Daher ist es uns neben der fröhlichen Atmosphäre, dem Austausch zwischen den vielen teilnehmenden Gruppen und Organisationen und gemeinsamen Feiern auch wichtig unsere Position klar zu machen: Wir demonstrieren mit diesem Tag gegen Diskriminierung.

Nachdem wir in 2013 vor allem die Ungleichbehandlung von lesbischen und schwulen Partnerschaften in verschiedenen Gesetzen (z.B. Adoptionsrecht) zum Thema gemacht haben, wollen wir in diesem Jahr grundsätzlicher auf Diskriminierung schauen. Das wollen wir vor allem auch deshalb tun, weil es wieder in Mode ist, öffentlich LGBTs zu diffamieren und ihnen Rechte abzusprechen. Dies geschieht mal mehr und mal weniger offen und direkt – immer aber mit dem Ziel LGBTs auszugrenzen: Aus den Themen im Unterricht – aus dem Profisport – aus der Erziehung von Kindern – aus der eigenen Familie – aus der Arbeitswelt – aus der öffentlichen Wahrnehmung.

Mit unserem CSD-Motto ICH HAB‘ NICHTS GEGEN DIE, ABER machen wir deutlich, dass dieser zunehmenden Diskriminierung widersprochen werden muss. Wann immer uns im Alltag der Satz ICH HAB‘ NICHTS GEGEN DIE, ABER begegnet, ist die direkte oder indirekte Homo- oder Transphobie nicht mehr weit. Wir finden es wichtig, dass LGBTs und ihre Freund_innen erkennen, wo sie überall angegriffen werden und sich wehren müssen. Deshalb haben wir homophobe und transphobe Aussagen aufgegriffen und unsere Sichtweise auf diese dargestellt. Damit der Satz ICH HAB‘ NICHTS GEGEN DIE, ABER nicht mehr unwidersprochen bleibt.

Es bleibt eine Aufgabe für alle und für jeden Tag: Diskriminierung erkennen und ihr entgegentreten.

CSD Trailer 2014 (Youtube)